Paket verloren: Wer haftet wann - was tun?

Das Christkind liefert den Kindern an Heilig Abend ausnahmslos pünktlich die Geschenke unter den Baum. Erwachsene aber ärgern sich jeden Tag des Jahres, wenn ein Paket mal verloren geht. Wer ist für den Schaden verantwortlich, wenn unterwegs ein Paket verloren geht? Absender*in, Paketdienstleister oder Empfänger*in? Wie Sie handeln können, wenn Ihnen ein Paket abhandenkommt und welche Ansprüche Sie haben, erfahren Sie hier.

Autor:  Redaktion DAHAG Rechtsservices AG.

Online nachforschen: Wo ist das Paket?

Nichts trübt den Kaufrausch so sehr, wie ein Paket, das nicht schnell genug ankommt. Egal ob DHL, Hermes, DPD oder UPS – jeder größere Paketdienst bietet online eine Sendungsverfolgung an, mit der Sie die Reise Ihres Pakets nachvollziehen können.

Den stets individuellen Tracking-Code bekommt zunächst der Versender, wenn er das Paket auf die Reise schickt. Beim Online-Shopping ist es oft der Fall, dass Verkäufer die Paketnummer automatisiert ihren Kund*innen mitteilen – etwa in der Versandbestätigung.

Wenn Sie sich also fragen, wo Ihr Paket bleibt, sollten Sie zuerst die Sendungsverfolgung bemühen. Steht die nicht zur Verfügung, hilft eventuell ein Nachhaken beim Absender.

Achtung: Nicht alle Pakete, Päckchen oder Briefe kann man zurückverfolgen: Ein Standard-Paket von DHL etwa beinhaltet eine Versicherung bis 500 Euro sowie die Sendungsverfolgung. Das etwas günstigere Päckchen aber keine der beiden Leistungen.

Paket beim Nachbarn oder vor der Haustür

Der Postbote darf ein Paket nicht so einfach vor Ihre Haustür legen. Er muss es stets persönlich übergeben. Bei der Person, an die ein Paket übergeben wird, muss es sich jedoch nicht um den*die Empfänger*in persönlich handeln: Die meisten Paketdienste räumen sich die Möglichkeit ein, das Paket bei einem Nachbarn oder einer Nachbarin hinterlegen zu können. Dann übernimmt diese*r die Verantwortung, dass die Ware beim Empfänger oder der Empfängerin landet. Auch er oder sie darf Ihr Paket nicht einfach vor der Haustür platzieren und sollte es persönlich überreichen.

Gut zu wissen: Die Haustürvariante ist lediglich erlaubt, wenn der Empfänger sie dem Paketzusteller ausdrücklich erlaubt. Die DHL etwa bietet die Möglichkeit eines Ablagevertrags – auch Garagenvertrag genannt –, sodass der Paketbote oder die Paketbotin das Paket an einem bestimmten Ort hinterlegen darf. Das kann die Wohnungs- oder Haustür sein, oder aber auch eine Ecke in der Gartenlaube.

Der Ablagevertrag mag für viele Berufstätige praktisch sein – das Verlustrisiko haben die Empfänger*innen aber dann selbst zu tragen. Denn geben Sie Paketdiensten die Vollmacht ein Päckchen zu hinterlegen hat der Paketbote seine Pflicht erfüllt und ist von der Haftung entbunden.

Paket verloren: Wer haftet?

Verbraucher*innen, die bei einem gewerblichen Verkäufer bestellt haben, können laut § 475 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) den Kaufpreis zurückverlangen, wenn das Paket nicht ankommt: In diesem Fall trägt grundsätzlich der Verkäufer das Transportrisiko.

Gut zu wissen: Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs (Az. VIII ZR 353/12) dürfen Unternehmen nicht einfach in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) das Transportrisiko auf den Verbraucher übertragen (§ 307 BGB). Etwaige Klauseln in AGB sind folglich nicht bindend.

Ist der Verkäufer aber eine Privatperson, wie etwa bei einem Verkauf über Ebay oft der Fall, trägt der Empfänger das Transportrisiko (§ 447 BGB). Gleiches gilt auch, wenn es sich sowohl beim Empfänger als auch beim Absender um ein Unternehmen handelt. Im Fall eines Verlusts ist der Absender fein raus, wenn er etwa mit einem Beleg nachweisen kann, das Paket an den Zustelldienst übergeben zu haben. In diesem Fall kann der Empfänger keinen Schadensersatz verlangen.

Was tun bei einem verlorenen Paket?

Wie oben schon erwähnt, ist es der Absender, der eine Vertragsbeziehung mit dem Zusteller hat. Trägt aber der Empfänger das Risiko, liegt es schon in seinem Interesse, selbst einem verlorenen Paket auf den Grund zu gehen. Zunächst sollte er daher den Absender bitten, seine Ansprüche in einem formlosen Schreiben an ihn abzutreten. Darin nennt der Absender idealerweise alle relevanten Daten zur Sendung (beide Adressen und Sendungsnummer).

Es kann vorkommen, dass sich der Zustelldienst dagegen sträubt, dem Empfänger zu helfen. Und dass, obwohl der Empfänger Ihnen die Rechte abgetreten hat. Es könnte in diesem Fall zielführender sein, gleich den Absender oder die Absenderin zu bitten, die Nachforschung in Auftrag zu geben, anstatt mühsam beim Zustelldienst auf seine Rechte zu pochen.

Gut zu wissen: Ein Formular für den Nachforschungsauftrag bieten die meisten Paketdienste auf ihren Websites an. Um den Wert des Inhalts nachweisen zu können, legen Sie am besten eine Kopie des Kaufbelegs bei, wenn Sie den Nachforschungsauftrag aufgeben.

Bleibt dann das Paket noch immer verschollen, ersetzt der Paketdienst dem Geschädigten den versicherten Wert. Bei einem regulären Hermes- oder DHL-Paket sind das maximal 500 Euro.

Achtung: Je nach Paketzusteller können die Höhe der Versicherungssumme und auch eventuelle Fristen unterschiedlich ausfallen. Lesen Sie daher am besten in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Ihres Zustellers nach.

Fazit: Pakete nicht unversichert versenden

Ein unversichertes Päckchen ist meist nur geringfügig günstiger als das versicherte Paket. Beim Kauf unter Privatleuten sollte der Käufer daher stets auf den versicherten Versand bestehen.

Paket zu spät: Schadensersatz nur bei garantierter Zustellung

Ist ein Paket schon „zu lange“ unterwegs, kann es unter Umständen ärgerlich sein, ist aber zunächst noch kein Grund für eine Reklamation: Einen Anspruch auf einen bestimmten Zustellungstermin gibt es für den normalen Paketversand nicht. Nur wenn ein solcher mit dem Paketdienst vereinbart wurde kann der gegebenenfalls gezahlte Aufpreis zurückverlangt werden. Zum Beispiel bei einem Expressversand.

Hat ein*e Käufer*in diesen bezahlt, muss er oder sie sich zunächst an den Verkäufer wenden. Denn nur die Person, die das Paket versendet,  hat mit dem Paketdienst ein Vertragsverhältnis. Daher kann auch nur diese Person Ansprüche bei ihm anmelden. Der Verkäufer kann den Paketdienst also dann in Regress nehmen, wenn er zu spät liefert.

Außerdem kann ein Privatkunde sein Widerrufsrecht (§ 355 BGB)  geltend machen und das Paket einfach zurückgehen lassen. Ein Rückgaberecht haben Sie allerdings nur bei Haustür- und Fernabsatzgeschäften. Sie können Ihr Paket also nur zurückgeben, wenn Sie es im Internet, am Telefon oder per Katalog bestellt haben.

Paket verloren: Beratung von einem Anwalt oder einer Anwältin

Ihr Paket wurde nicht geliefert und nun möchten Sie Schadensersatz geltend machen? Oder Ihr Kunde beschwert sich, dass eine Lieferung nicht angekommen sei? In diesen und vielen weiteren Fällen stehen Ihnen die selbstständigen Kooperationsanwälte und Kooperationsanwältinnen der Deutschen Anwaltshotline mit Rat und Tat zur Seite - schnell und verständlich entweder per telefonischer Rechtsberatung oder E-Mail.

Online-Rechtsberatung vom Anwalt

Ablauf und Preise


Rechtsberatung am Telefon

Telefonieren Sie sofort mit einem Anwalt oder einer Anwältin und stellen Sie Ihre individuelle Frage.

*1,99€/Min inkl. USt. aus dem Festnetz. Höhere Kosten aus dem Mobilfunk.

Telefonanwalt werden

Werden Sie selbstständiger Kooperationsanwalt der Deutschen Anwaltshotline AG:

  • Krisensicherer Umsatz
  • Rechtsberatung per Telefon
  • Homeoffice