Einstiegsgehälter in der Anwaltskanzlei: Was muss ich meinen Bewerber*innen bieten?

Egal in welcher Branche – das Einstiegsgehalt ist für Bewerber*innen oft ein maßgeblicher Faktor bei der Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen. Unter Jurist*innen scheint das nicht anders zu sein: Einer Umfrage des Trendence Instituts zufolge würden zwei Drittel der Nachwuchsjurist*innen für besseres Gehalt einen Umzug in Kauf nehmen.

Gleichzeitig ist die Gehaltsspanne in den Kanzleien immens. Manche Großkanzlei lockt mit Einstiegsgehältern, von denen andere Jurist*innen auch nach mehreren Jahren Berufstätigkeit nur träumen können. Selbstständige Rechtsanwält*innen, die eine Kanzlei führen, sollten sich daher dringend fragen: Was muss ich meinen Bewerber*innen bieten, um sie zu gewinnen?

Wie viel Einstiegsgehalt bekommen Rechtsanwälte in Kanzleien?

Laut einer Erhebung aus den Jahren 2017 und 2018 verdienen Rechtsanwält*innen in Deutschland durchschnittlich 50.448 Euro pro Jahr (Quelle: gehaltsvergleich.com). Grundsätzlich gilt, dass die Höhe des möglichen Einstiegsgehalts stark von der Größe der Kanzlei abhängt. Je mehr Anwält*innen in der Kanzlei beschäftigt sind, desto höher sind die möglichen Gehälter für Berufsanfänger:

  • Kleinkanzleien (10 oder weniger Anwält*innen): 38.000 bis 55.000 Euro Einstiegsgehalt
  • Boutiquen (50 oder weniger Anwält*innen): 60.000 bis 75.000 Euro Einstiegsgehalt
  • Großkanzleien (50 oder mehr Anwält*innen): 90.000 bis 100.000 Euro Einstiegsgehalt
  • Top-Kanzleien (z.B. Sullivan & Cromwell): 120.000 bis 140.000 Euro Einstiegsgehalt

Neben der Größe der Kanzlei wirken sich aber auch noch andere Faktoren auf die Höhe der Einstiegsgehälter aus, so zum Beispiel der Standort. Während in den deutschen Metropolen wie München, Hamburg oder Frankfurt großzügige Löhne an junge Anwält*innen gezahlt werden, winken zum Beispiel in den neuen Bundesländern deutlich geringere Einstiegsgehälter.

Auch die Wahl des jeweiligen Rechtsgebiets kann ein Gehaltsfaktor sein: Angehende Anwält*innen mit einer Spezialisierung auf Insolvenz-, Bank-, Handels- oder Kapitalmarktrecht verdienen häufig überdurchschnittlich gut – jene dagegen, die sich auf Sozial-, Familien- oder Mietrecht spezialisiert haben, liegen in der Regel unter dem Durchschnittsverdienst.

Einstiegsgehalt richtig bemessen: Auf diese Kriterien sollten Sie bei Bewerber*innen achten

Gehaltsfaktoren wie Kanzleigröße, Standort oder Rechtsgebiet sind natürlich nur statistische Anhaltspunkte, die die individuellen Kompetenzen und Soft Skills von Berufseinsteigern ausklammern. Gerade diese aber entscheiden in der Praxis, wer letztendlich eingestellt wird und wer leer ausgeht – und mitunter auch, wie üppig das Einstiegsgehalt ausfällt. Als selbstständige*r Rechtsanwält*in und Kanzleiinhaber*in sollten Sie daher einen genauen Blick auf die Qualifikationen Ihrer Bewerber*innen werfen. Dadurch wird es Ihnen leichter fallen, die Höhe des Einstiegsgehalts richtig zu bemessen:

  • Wurden beide Staatsexamen erfolgreich abgelegt (insbesondere die Note des zweiten Staatsexamens gilt noch immer als entscheidender Faktor)?
  • Wurden akademische Grade erworben, zum Beispiel ein Doktor- oder LL.M.-Titel?
  • Sind sonstige Soft Skills vorhanden, zum Beispiel Fremdsprachen?

Je mehr dieser Fragen Sie mit Ja beantworten können, desto höher werden Sie das Einstiegsgehalt ansetzen müssen, um Bewerber*innen zu überzeugen. Denn qualifizierte Jurist*innen werden händeringend gesucht und entsprechend auch mit Top-Gehältern angelockt. Dabei wird insbesondere die Promotion weiterhin hoch geschätzt – und sie zahlt sich für Nachwuchsjurist*innen aus: Mit einem Doktortitel kann sich das Einstiegsgehalt im Schnitt um bis zu 33.000 Euro erhöhen (Quelle: gehalt.de).

Gehalt ist alles? Auch Benefits können Bewerber*innen überzeugen!

Doch man darf das Verhältnis nicht aus den Augen verlieren: Laut Gehaltsreporter schaffen es nämlich nur etwa 5 Prozent der jährlichen Jura-Absolvent*innen, bei ihrem Berufseinstieg ein Jahresgehalt von über 100.000 Euro zu erzielen. Von dieser kleinen Elite ist ohnehin anzunehmen, dass sie den Staatsdienst der Arbeit in einer Kanzlei oder einem Unternehmen vorziehen wird.

Umfragen zeigen außerdem, dass es für Bewerber*innen auch andere wichtige Kriterien als das Geld auf dem Konto gibt (Quelle: lto.de). Nicht jeder ist für die durchaus übliche 60-Stunden-Arbeitswoche in einer Top-Kanzlei gemacht. Auch in juristischen Berufen werden eine gute Work-Life-Balance oder zusätzliche (Sozial-)Leistungen immer mehr geschätzt. Es muss also wie überall das Gesamtpaket stimmen, um Bewerber*innen nicht nur überzeugen, sondern auch langfristig binden zu können. Genau hier können Kanzleien mit attraktiven Benefits punkten.

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