Nebentätigkeiten für Anwälte: 5 Ideen, wie Sie dazuverdienen können

Das Gesetz räumt grundsätzlich allen Beschäftigten die Möglichkeit ein, nebenberuflich Geld zu verdienen – vorausgesetzt, sie verletzen dabei nicht ihre Pflichten gegenüber dem Arbeitgeber. Die Motivationsgründe für einen Nebenjob können ganz unterschiedlicher Art sein; sei es, um sich in Heimarbeit ein kleines Zusatzeinkommen aufzubauen, sei es, um für ein wenig Abwechslung neben dem Hauptberuf zu sorgen.

Auch Anwältinnen und Anwälten ist es grundsätzlich erlaubt, eine Nebentätigkeit auszuüben, solange sie dabei ihren unabhängigen Status als Rechtsanwalt bewahren. Dennoch gingen 2017 lediglich 19 Prozent von knapp 1.600 befragten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten einem Zweitberuf nach, wie eine Studie des Soldan-Instituts ergab. Wir zeigen Ihnen im Folgenden 5 Berufsalternativen für Juristen.

 

1. Nebenbei Geld verdienen mit der eigenen Kanzleiwebsite

Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung fällt es immer leichter, sich selbst eine Präsenz im Internet aufzubauen. Dank vieler Tools und Anbieter auf dem Markt kann heutzutage selbst der Laie problemlos eine Website einrichten. Die Kosten bleiben meist überschaubar. Für Anwältinnen und Anwälte liegt darin großes Potenzial, die eigene Kanzlei zu vermarkten und letztendlich mehr Mandanten anzusprechen. Sie werden schlichtweg sichtbarer.

Doch es geht nicht nur um die Präsenz allein. Per E-Mail oder mithilfe von Online-Formularen, die sich leicht auf der Website einbinden lassen, können Sie eine Erstberatung anbieten: Dort wird das spezifische Rechtsproblem geschildert, und gegebenenfalls können gleich diejenigen Dokumente mit hochgeladen werden, die für die Bearbeitung des Falls erforderlich sind. Basierend darauf erhalten Ratsuchende einen passgenauen Kostenvorschlag und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Dienste in Anspruch nehmen wollen oder nicht.

Tipp: Für Sie als Anwältin oder Anwalt gilt es hier natürlich, souverän und seriös aufzutreten. Stellen Sie sicher, dass sich die Daten Ihrer Mandanten in sicheren Händen befinden, und vermitteln Sie dies ganz explizit. Insbesondere wenn es um rechtliche und damit auch personenbezogene Daten geht, sind Vorbehalte gegenüber Online-Diensten häufig groß.

2. Online Rechtsberatung und Telefonanwalt

Es ist heutzutage nicht mehr notwendig, wegen jedem kleinen Rechtsproblem eine Kanzlei aufzusuchen. Die meisten Fragen lassen sich ohnehin binnen weniger Minuten klären und zielen auf eine Ersteinschätzung. Für Ratsuchende bedeutet dies: keine langen Wartezeiten bei der Terminvergabe, kein langer Anreiseweg, keine hohe Rechnung von der Kanzlei. Sie greifen lieber von der Couch aus zum Telefon oder füllen im Internet ein Formular aus.

Doch auch Sie als Anwältin oder Anwalt sparen sich dadurch eine Menge Zeit und können sich auf die wichtigen Fälle konzentrieren, während Sie per Telefonhotline oder E-Mail-Beratung nebenbei die üblichen Rechtsfragen abwickeln. Häufig geht es um Dinge wie:

  • Lohnt sich eine Klage in meinem Fall?
  • Ist das, was mein Arbeitgeber tut, rechtlich in Ordnung?
  • Welche Unterlagen brauche ich für diese rechtliche Angelegenheit?

Außerdem bietet Ihnen die Nebentätigkeit als Online- beziehungsweise Telefonanwalt die Möglichkeit, ausbleibende Mandate gut kalkulierbar zu überbrücken und sich je nach Bereitschaft flexibel aufzustellen. Sie sichern sich damit gegen etwaige Krisen ab und bauen sich ein zeitgemäßes und ortsunabhängiges Geschäftsmodell auf. In Kooperation mit Vermittlungsplattformen aus der Rechtsbranche können Sie mehrere Anrufe pro Woche entgegennehmen, ohne dass bürokratischer Aufwand für Sie selbst anfällt. Sie verdienen dabei meist anteilig an den Einnahmen aus gebührenpflichtigen Nummern mit.

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3. Als Mediator professionell Streit schlichten

Sie waren schon immer ein guter Streitschlichter und haben sich durch Ihre Menschenkenntnis gut in beide Seiten hineinversetzen können? Dann könnten Sie über die Tätigkeit des Mediators nachdenken, um neben Ihrem Kanzleigeschäft zusätzlich Geld zu verdienen. Denn kompetente Vermittler in kleineren Streitigkeiten werden überall gesucht; sei es in der Familie, in Unternehmen oder an Schulen. Bevor also ein Fall vor Gericht geht, wird ein Mediator beauftragt, um die Auseinandersetzung zu regeln. TypischeEinsatzbereiche in der Arbeitswelt sind zum Beispiel:

  • Konflikte zwischen Unternehmen und Gewerkschaften
  • Personalabbau
  • Streitigkeiten auf Führungsebene
  • Interne Umstrukturierungen
  • Vermeidung von arbeitsrechtlichen Schritten

Doch wie wird man eigentlich Mediator? In den meisten Fällen wird die Tätigkeit des Mediators ergänzend zu anderen Berufen – üblicherweise mit juristischem oder psychologischem Schwerpunkt – ausgeübt. Ein bestimmter Abschluss ist aber nicht erforderlich, sodass sich im Grunde jeder zum Mediator ausbilden lassen kann. Die Berufsbezeichnung ist bis heute nicht geschützt, allerdings gibt es inzwischen Bundesverbände für Mediatoren sowie zertifizierte Fortbildungen, in denen das notwendige Know-how erlangt werden kann. Die Kosten für eine solche Ausbildung bewegen sich zwischen 2.000 und 8.000 Euro.

Tipp: Ziehen Sie die Tätigkeit des Mediators nur dann in Betracht, wenn Sie bereits über Berufserfahrung und ein bestehendes Netzwerk verfügen. So gestaltet sich der Einstieg leichter und die ersten potenziellen Auftraggeber lassen sich schneller finden.

4. Juristische Fachartikel schreiben

Machen Sie sich Ihr Wissen aus dem Jurastudium zunutze und verfassen Sie gegen Entgelt Fachartikel in einschlägigen Foren, Blogs oder Zeitschriften. Sie sind Spezialist auf einem bestimmten Rechtsgebiet? Umso besser! Mit juristischen Fachartikeln können Sie sich nicht nur einen dauerhaften Nebenverdienst aufbauen, sondern auch Ihre Reputation als Anwältin oder Anwalt aufbauen. Denn Sie sollten sich bewusst machen, dass die Menschen heutzutage ihre Symptome googeln, bevor sie zum Arzt gehen – nicht anders ist es bei rechtlichen Fragen.

Tipp: Schreiben Sie ausschließlich über Themen, für die Sie Leidenschaft mitbringen, damit der allseits bekannte Funke bei den Leserinnen und Lesern überspringt. Und wichtig: Vermeiden Sie das berühmt-berüchtigte „Juristendeutsch“!

5. Nebenbei als Wirtschaftsprüfer arbeiten

Zugegeben: Wirtschaftsprüfer haben meist BWL oder VWL studiert. Zudem ist das für die Qualifikation notwenige Examen keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen, da es viele verschiedene Disziplinen vereint. Dennoch gibt es auch Wirtschaftsprüfer mit juristischem Hintergrund, schließlich geht es bei der engen Zusammenarbeit mit Unternehmen häufig um steuerrechtliche Themen.

Als Jurist reicht grundsätzlich das erste Staatsexamen aus, um den Berufsweg des Wirtschaftsprüfers einzuschlagen. Allerdings müssen Sie mindestens 3 Jahre Praxiserfahrung in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gesammelt haben, bevor Sie zum Wirtschaftsprüferexamen zugelassen werden. In der Regel gilt: Je länger Ihr Jurastudium gedauert hat, desto kürzer fällt die geforderte Praxisphase aus. Haben Sie das Examen in der Tasche, legen Sie anschließend noch Ihren Berufseid vor der Wirtschaftsprüferkammer ab und können dann sofort als qualifizierter Wirtschaftsprüfer arbeiten.

Wenn Sie als Anwältin oder Anwalt Interesse an der Tätigkeit des Wirtschaftsprüfers haben, sollten Sie folgende Kompetenzen mitbringen:

  • Hohe Zahlenaffinität und analytische Fähigkeiten
  • Wirtschaftliches und mathematisches Verständnis
  • Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit sensiblen Daten
  • Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke

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