Vorgetäuschter Tod in der Ostsee – Millionencoup geht mächtig schief

Für den Rest des Lebens ausgesorgt haben – diesen Traum wollte sich ein Ehepaar aus Kiel auf unorthodoxe Weise erfüllen. Mit einem Versicherungsbetrug versuchten sie rund 4 Millionen Euro zu erschwindeln. Doch der Traum vom sorglosen Leben unter Palmen fand ein abruptes Ende.

Der Plan: Das Ehepaar und die Mutter des Mannes schlossen insgesamt 14 Unfall-, Risiko- und Lebensversicherungen ab. Der 53-jährige wollte anschließend einen Bootsunfall auf der Ostsee inszenieren und seinen Tod vortäuschen - seine Ehefrau und seine Mutter würden dann insgesamt mehr als vier Millionen Euro abkassieren. Ursprünglich sollte er das Boot auf einer Tour Richtung Dänemark versenken. Aber der Plan scheiterte. Davon ließ sich das Paar jedoch nicht abhalten und startete im Oktober 2019 einen zweiten Versuch. Diesmal mit Erfolg – das gekenterte Motorboot wurde vor der Kieler Bucht gefunden und der Ehemann galt als „vermisst“

Ein Ehemann mit hoher krimineller Energie

Treibende Kraft hinter dem riskanten Plan waren große Geldprobleme des Paares. Beide lebten weit über ihre Verhältnisse: Wie sich herausstellte, hat der deutsch-amerikanisch stämmige Mann mindestens 2 Millionen Euro Schulden in den USA und ist auch in Deutschland hoch verschuldet. Da war der Traum vom leicht ergaunerten Geld wohl zu verlockend.

Um dem erdrückenden Schuldenberg zu entkommen und ein sorgenfreies Leben führen zu können, beschlossen er und seine Frau schließlich, seinen Tod vorzutäuschen. Zuerst musste er dafür jedoch noch einmal mehrere tausend Euro für ein Motorboot berappen… Doch direkt nachdem er das teuer erstandene Boot erfolgreich versenkt hatte, ging es mit dem vermeintlich genialen Plan bergab.

Als ein Gutachter das geborgene Boot untersuchte, bemerkte dieser, dass es durch eine gezielte Manipulation gesunken war. Nachdem das Paar hier schon ins Schwitzen kam, folgte gleich der nächste Schlag: Sie hatten fälschlicher Weise angenommen, dass den Versicherungen eine Todesmeldung ausreichen würde, um das Geld auszubezahlen. Doch die verlangten vor der Auszahlung eine Sterbeurkunde, auf die das Paar aber mindestens 6 Monate warten musste.

Also musste sich der Ehemann monatelang verstecken. Bei der Wahl seines Versteckes war er allerdings nicht besonders einfallsreich. Im Mai 2020 fand ihn ein mobiles Einsatzkommando der Polizei im Haus seiner Mutter. Die Beamten entdeckten ihn hinter Kisten auf dem Dachboden versteckt. Der Schein einer Taschenlampe hatte seinen Ehering aufblitzten lassen.

Glimpfliches Ende für verpatzten Millionencoup

Schlussendlich landete das Paar nicht im erträumten Schlaraffenland, sondern vor dem Kieler Landgericht. Verurteilt wurden sie allerdings nur in einem von 14 angeklagten Fällen. Nach Überzeugung der Angeklagten stand nur ihre Unfallversicherung unmittelbar davor, ihnen immerhin rund eine Viertel Millionen Euro auszuzahlen. Somit konnte lediglich in diesem Fall der versuchte Versicherungsbetrug nachgewiesen werden. Bei den anderen 13 Fällen wurde das Paar hingegen freigesprochen. So habe das Paar bei der Meldung des Todes des Angeklagten und dem Einreichen von Unterlagen nicht unmittelbar mit der Auszahlung der Versicherungssumme gerechnet, so der Vorsitzende Richter. Diese waren somit lediglich Vorbereitungshandlungen – und die bleiben straffrei.

Das Ehepaar kam aus dem ganzen Schlammassel insgesamt sehr glimpflich davon. Der Ehemann wurde zu einem Jahr und neun Monaten Bewährung verurteilt und seine Frau bekam eine einjährige Bewährungsstrafe. Das Ende vom Lied: Schnelles Geld bringt einen schnell in die Bredouille.

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