Krieg in der Ukraine: Informationen & Rechtsberatung für Helfer von Geflüchteten

Telefonische Rechtsberatung für Kunden der ADAC Rechtsschutz

FAQ und kostenlose Telefonberatung

Hundertausende Ukrainer haben aufgrund des Kriegsgeschehens bereits ihre Heimat verlassen müssen. Wie viele ihnen noch folgen werden, ist bislang unklar. So rechnet das Flüchtlingshilfswerk UNHCR etwa mit bis zu 4 Millionen Menschen. Zwar kommt ein Großteil von ihnen aktuell in osteuropäischen Staaten unter, doch zieht es zahlreiche Geflüchtete auch nach Deutschland. Solidarität und Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sind groß: Dabei geht es von groß angelegten Sachspendenaktionen über spontan eingerichtete Sammelunterkünfte bis hin zu Privathaushalten, die Gästezimmer und Sofas unentgeltlich für Geflüchtete zur Verfügung stellen. 

Um Helfende zu unterstützten, haben wir im nachfolgenden die wichtigsten rechtlichen Fragen rund um die direkte Hilfe und Aufnahme von Geflüchteten gesammelt. Wir hoffen, Helfenden mit diesen Informationen ein wenig unter die Arme greifen und die dringendsten rechtlichen Fragen beantworten zu können. Bei weiteren Fragen können Sie als Versicherungsnehmer der ADAC Rechtsschutz gerne die untenstehende Durchwahl nutzen, unter der Sie kostenlose telefonische Rechtsberatung bei Fragen bezüglich der Direkthilfe von Ukraine-Geflüchteten erhalten.

Telefonische Rechtsberatung: Ein DAHAG-Service für ADAC Rechtsschutz Kunden

(089) 7676 4700*

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* Unter dieser Nummer erhalten Kunden von ADAC Rechtsschutz eine kostenlose telefonische Rechtsberatung durch einen unabhängigen, eigenverantwortlichen und spezialisierten Rechtsanwalt bei allen Fragen in Zusammenhang mit der Direkthilfe von Geflüchteten. 

*1,99€/Min inkl. USt. aus dem Festnetz. Höhere Kosten aus dem Mobilfunk.

FAQ: Fragen und Antworten für Helfende

Wo melde ich mich, wenn ich Geflüchtete aufnehmen möchte?

Es gibt verschiedene Internetportale, die private Unterkünfte vermitteln. Wenn Sie Flüchtlinge aus der Ukraine bei sich aufnehmen wollen. Eine Übersicht finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Außerdem sollten Sie sich auch bei Ihrer örtlichen Kommunalverwaltung melden, rät Andrea Kothen von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. Denn langfristig ist es sinnvoll, Ihre private Unterkunft zum Zwecke der Nutzung durch Flüchtlinge direkt an die Kommune zu vermieten. So können Sie helfen, ohne selbst das finanzielle Risiko auf sich zu nehmen. Die Miet- und Nebenkosten werden Ihnen dann von der Kommune bezahlt. Einen Mustermietvertrag zur Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern bietet beispielsweise der Haus & Grund Schleswig-Holstein e.V. kostenlos zum Download an.

Was gilt für unbegleitete minderjährige Geflüchtete aus der Ukraine?

Geflüchtete Minderjährige, die ohne Begleitung aus der Ukraine einreisen, dürfen Sie als Helfer*in nicht einfach privat bei sich aufnehmen. Darauf hat der Verein „Moabit hilft“ hingewiesen. Stattdessen müssen geflüchtete Kinder und Jugendliche ohne Begleitung zunächst in speziellen Ankunftszentren untergebracht und beim Jugendamt registriert werden. Informieren Sie sich am besten, welche Stelle in Ihrem Bundesland dafür zuständig ist. In Berlin beispielsweise können Sie sich an die Erstaufnahme- und Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wenden (Tel.: 030 818 608 31 10).

Gelten Corona-bedingte Einreisebeschränkungen? Welche Nachweise sind erforderlich?

Seit dem 27. Februar 2022 wird die Ukraine nicht mehr als Hochrisikogebiet eingestuft. Theoretisch müssen Geflüchtete somit nur noch einen Test bei der Einreise vorlegen – eine Quarantäne- und Anmeldeerfordernis besteht nicht mehr. Allerdings hat die Bundespolizei bestätigt, dass sie bei Kriegsflüchtlingen pragmatisch mit der Situation umgehen will. So sollen beispielsweise freiwillige Tests an der Grenze angeboten werden. Auch medizinisches Hilfspersonal soll vor Ort sein, falls sich bei manchen Covid-Symptome zeigen.

Gibt es eine Meldepflicht für Flüchtlinge aus der Ukraine?

Ja. Wenn Sie Geflüchtete, die keinen Asylantrag gestellt haben, privat bei sich untergebracht haben, müssen sich diese innerhalb einer Frist von 3 Monaten bei der zuständigen Meldebehörde (Gemeinde oder Stadt) registrieren. Folgende Angaben werden benötigt: Name, Geburtsdatum, Kopie eines Ausweisdokuments, Anzahl der mitreisenden Familienmitglieder, Adresse der aktuellen Unterkunft, Telefonnummer und E-Mail-Adresse.

Wie lange kann ich Flüchtlinge aus der Ukraine beherbergen?

Bis jetzt gilt, dass Sie Flüchtlinge aus der Ukraine, die keinen Asylantrag gestellt haben, für höchstens 90 Tage beherbergen dürfen. Für einen vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland brauchen diese kein Visum beantragen, solange sie einen biometrischen Pass besitzen und keine Erwerbstätigkeit aufnehmen.

Muss ich meinen Vermieter um Erlaubnis fragen, wenn ich Geflüchtete aufnehme?

Wie lange Sie Besuch bei sich aufnehmen dürfen, ist weder gesetzlich noch höchstrichterlich entschieden. Einige wenige Wochen sollten unproblematisch sein, doch empfiehlt es sich, im Zweifelsfall den Vermieter zu informieren. So vermeiden Sie spätere Konflikte. So geht der Deutsche Mieterbund etwa davon aus, dass der Vermieter nach 6 Wochen nachhaken und sich über Ihren Dauergast erkundigen darf.

Auch gegen eine Untervermietung darf Ihr Vermieter nichts einwenden, solange der Hausfrieden nicht bedroht wird, sich nicht übermäßig viele Menschen in der Wohnung aufhalten oder die Wohnung komplett den Flüchtlingen überlassen wird und solange Sie ein „berechtigtes Interesse“ an der Untervermietung haben. Was Letzteres betrifft, können Sie mit humanitären Gründen argumentieren. Sie müssen sich die Untervermietung allerdings erst genehmigen lassen, andernfalls droht Ihnen eine Kündigung! Als Mieter haften Sie im Übrigen für Ihren Untermieter.

Hafte ich für Schäden, die Geflüchtete aus der Ukraine an meiner Mietwohnung verursachen?

Fragen Sie am besten direkt bei Ihrer Privathaftpflicht nach, ob Geflüchtete in Ihrem Haushalt beitragsfrei mitversichert sind. Einige Versicherer bieten aus Kulanz bereits einen erweiterten Versicherungsschutz an, der aufgenommenen Flüchtlingen denselben Schutz wie dem Versicherungsnehmer garantiert – egal ob es sich um Personen-, Sach- oder Vermögensschäden handelt. Der erweiterte Versicherungsschutz gilt zunächst für ein Jahr und kann je nach EU-Beschlüssen verlängert werden.


FAQ: Fragen und Antworten für Geflüchtete

Wie kann ich nach Deutschland einreisen?

Aus der Ukraine nach Deutschland kommen Sie aktuell nur über die angrenzenden Nachbarländer. Um die Einreise zu erleichtern, ermöglicht die Deutsche Bahn kostenlose Fahrten für Geflüchtete, um aus Polen, Österreich und Tschechien nach Deutschland zu kommen. Als Nachweis können Sie ein ukrainisches Ausweisdokument vorlegen. Wenn Sie keinen ukrainischen Ausweis haben, genügt auch einen anderes Dokument, das Ihren Wohnsitz in der Ukraine nachweist (zum Beispiel ein Aufenthaltstitel). Das bestätigte die Deutsche Bahn am 28.02. in einem Kommentar auf ihrem Instagram-Account dbpersonenverkehr.

Eine direkte Einreise über den Luftweg ist derzeit nicht möglich.

Allgemeine Informationen für Menschen aus der Ukraine zur Einreise und zum Aufenthalt in Deutschland finden Sie beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Was brauche ich um in Deutschland einzureisen?

Im Moment können Sie ganz einfach ohne Visum und ohne biometrischen Reisepass nach Deutschland einreisen und zunächst dort bleiben.
Aktuell gilt eine Sonderregel: Bis zum 23. Mai 2022 dürfen Sie sich ohne Visum in Deutschland aufhalten. Bis dahin haben Sie Zeit, bei der zuständigen Ausländerbehörde einen sogenannten Aufenthaltstitel zu beantragen. Damit dürfen Sie sich dann zunächst für ein Jahr, insgesamt bis zu 3 Jahre, in Deutschland aufhalten und in diesem Fall auch arbeiten.

Wenn Sie einen biometrischen Reisepass haben, können Sie wegen der geltenden EU-Regeln 90 Tage lang visumfrei in der EU bleiben und dort auch reisen.
Weitere Informationen zur Einreise mit einem biometrischen Reisepass bietet die Ukrainische Botschaft in Deutschland auf ihrer Webseite.


Damit Sie sich auch nach dem 23. Mai nicht versehentlich unerlaubt in Deutschland aufhalten, können Sie den Aufenthaltstitel bei der Ausländerbehörde beantragen. Dazu müssen Sie nur Ihre Personalien, den Grund Ihres Aufenthalts (in diesem Fall die Kriegssituation in der Ukraine) und den Tag Ihrer Einreise in die EU angeben. Der Antrag muss schriftlich gestellt werden, eine bestimmte Form ist aber nicht notwendig.

Gibt es coronabedingt Beschränkungen bei der Einreise?

Nein. Die Ukraine ist derzeit kein Hochrisikogebiet. Daher gilt nur die allgemeine Testpflicht. Die Umsetzung wird zum Beispiel auch durch freiwillige Tests an der Grenze erleichtert. Eine Quarantäne oder Einreiseanmeldung ist nicht nötig.

Wie kann ich nach der Einreise innerhalb Deutschlands weiterreisen?

Die Deutsche Bahn bietet für den Fernverkehr kostenlos das „helpukraine-Ticket“ an. Dieses bekommen Sie in den DB Reisezentren oder in einer DB Agentur. Das Ticket gilt für eine Reise, die bis zu 3 Tage in der Zukunft liegt. Es gilt sowohl bei Fernverkehrsfahrten innerhalb Deutschlands als auch bei Weiterreisen ins Ausland.

Nahverkehrszüge können Sie mit einem ukrainischen Ausweisdokument nutzen. Eine Fahrkarte ist dafür nicht notwendig. Von der Deutschen Bahn wurde unseres Wissens nach noch nicht offiziell bestätigt, dass auch hier ein anderes Dokument genügt, das Ihren Wohnsitz in der Ukraine nachweist.
 

Einige Verkehrsverbünde ermöglichen ebenfalls kostenlose Fahrten mit einem ukrainischen Ausweisdokument.

Mehr Informationen zu den Hilfsangeboten finden Sie auf der Seite der Deutschen Bahn. Die Seite ist auf Deutsch, Ukrainisch und Englisch verfügbar.
Auch auf ihrer Instagram-Seite informiert die Deutsche Bahn. In den Story-Highlights „Help Ukraine“ finden Sie beispielsweise FAQs zu Tickets und die wichtigsten Zugverbindungen für Geflüchtete.

Wie lange dürfen Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland bleiben?

Durch die sogenannte „Massenzustrom-Richtlinie“ der EU bekommen Flüchtlinge aus der Ukraine einen sogenannten Aufenthaltstitel. Damit dürfen Sie sich in Deutschland aufhalten und in diesem Fall auch arbeiten. Der vorübergehende Schutz gilt zunächst für ein Jahr, kann jedoch um insgesamt zwei weitere Jahre verlängert werden. Die gesetzliche Grundlage liefert § 24 Aufenthaltsgesetz (AufenthG). Daher wird der Paragraph zum Teil auch als Synonym für die EU-Regelung verwendet.

Die Richtlinie gilt für ukrainische Staatsangehörige und Drittstaatsangehörige oder Staatenlose, die in der Ukraine internationalen Schutz genießen, sowie ihre Familienangehörigen. Sie erhalten vorübergehenden Schutz, sofern sie sich vor dem oder am 24. Februar 2022 in der Ukraine aufgehalten haben. Auch wenn sie am oder vor dem 24. Februar als Drittstaatenangehöriger in der Ukraine gelebt haben, haben Sie die Möglichkeit Schutz zu erhalten. Das ist möglich, wenn Sie nicht sicher in Ihr Heimatland zurückkehren können. In den EU-Mitgliedsstaaten bekommen Sie dann entweder einen vorübergehenden Schutz oder einen angemessenen Schutz nach dem dort geltenden Recht.
Genauere Informationen können Sie in der Pressemitteilung des Europäischen Rates der EU nachlesen.
Wenn Sie durch die Massenzustrom-Richtlinie Schutz erhalten, gilt das in der Regel auch für Ihre Familienangehörigen (zum Beispiel Ehegatten, Lebenspartner und minderjährige Kinder), auch wenn diese keine ukrainischen Staatsangehörigen sind.

Um die Einreise zu erleichtern und Geflüchtete vor einem unerlaubten Aufenthalt zu schützen, hat das Bundesinnenministerium eine Sonderregelung erlassen: Sie dürfen zunächst auch ohne Aufenthaltstitel in Deutschland bleiben. Durch die Sonderregelung bekommen Sie länger Zeit, um einen Aufenthaltstitel zu beantragen. Bis zum 23. Mai 2022 müssen Sie den Antrag bei der zuständigen Ausländerbehörde gestellt haben.

Was ist § 24 und für wen gilt er?

§ 24 bezieht sich auf das Aufenthaltsgesetz (AufenthG). In diesem Paragraphen wird die Aufenthaltserlaubnis für Geflüchtete nach einem EU-Beschluss geregelt. Für Geflüchtete aus der Ukraine ist das die sogenannte Massenzustrom-Richtlinie. Damit können Sie und Ihre Familie nach der Flucht in Deutschland Schutz bekommen.

Das sind die Voraussetzungen, damit Sie vorübergehenden Schutz erhalten können:

  • Sie sind ukrainische Staatsangehörige, Drittstaatsangehörige oder Staatenlose, die in der Ukraine internationalen Schutz genießen (der Schutz gilt dann in der Regel auch für Ihre nahen Familienangehörigen)
  • Sie haben sich vor dem oder am 24. Februar 2022 in der Ukraine aufgehalten

Wenn Sie als Drittstaatenangehöriger in der Ukraine gelebt haben, können Sie unter bestimmten Umständen Schutz erhalten. Das ist möglich, wenn Sie nicht sicher in Ihr Heimatland zurückkehren können. In den EU-Mitgliedsstaaten bekommen Sie dann entweder einen vorübergehenden Schutz oder einen angemessenen Schutz nach dem dort geltenden Recht.
Genauere Informationen können Sie in der Pressemitteilung des Europäischen Rates der EU nachlesen.

Wer kümmert sich um die Aufnahme von Geflüchteten?

Grundsätzlich ist die Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland Aufgabe der Bundesländer und der Kommunen. Ein standardisiertes Vorgehen für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine gibt es bisher nicht. Im Zweifelsfall können Sie sich an die zuständige Landesaufnahmebehörden wenden.

Das Bundesinnenministerium hat das Hilfeportal germany4ukraine für Geflüchtete aus der Ukraine eingerichtet. Dort bekommen Sie Informationen zum Beispiel zu Unterkunft, Arbeit und medizinischer Versorgung. Die Seite ist auf Deutsch, Englisch, Ukrainisch und Russisch verfügbar.

Können Flüchtende aus der Ukraine Asyl beantragen?

Um die nationalen Asylsysteme zu entlasten, hat die EU die Massenzustrom-Richtlinie aktiviert. Dadurch erhalten Sie einen Aufenthaltstitel und Zugang zu Arbeit, Bildung, medizinischer Versorgung und Wohnraum. Dieser Schutzstatus gilt zunächst für ein Jahr, kann aber verlängert werden.

Ein Asylantrag ist in der Regel nicht mehr notwendig.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich eine Unterkunft benötige?

Die Aufnahme von Geflüchteten ist in Deutschland Aufgabe von Ländern und Kommunen. Sie können sich an verschiedene offizielle Stellen wenden, wenn Sie eine Unterkunft benötigen:

  • Ausländerbehörde
  • Polizeidienststellen
  • Aufnahmestellen der Bundesländer
  • Zentrale Anlaufstellen in Städten

Neben den offiziellen Stellen gibt es Portale zur Vermittlung privater Unterkünfte. Eine Übersicht über Vermittlungsplattformen für private Unterkünfte finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Muss ich mich in Deutschland anmelden?

Zunächst nicht. Mit einem biometrischen Reisepass können Sie 90 Tage lang ohne Visum und ohne Meldepflicht in Deutschland leben. Wenn Sie jedoch die Ihnen zustehenden Hilfen in Anspruch nehmen möchten, müssen Sie sich registrieren lassen. Das können Sie, je nach Bundesland, in der Regel beim zuständigen Ankunftszentrum tun. Manche Länder bieten die Registrierung aber auch online per E-Mail an.

Da die Organisation in vielen Behörden gerade noch anläuft, kann es sein, dass Sie sich an mehrere Stellen wenden müssen oder je nach Stadt und Bundesland andere Stellen zuständig sind.

Wie bekomme ich in Deutschland medizinische Versorgung?

Der besondere Schutzstatus durch die EU-Massenzustrom-Richtlinie ermöglicht Ihnen den Zugang zu medizinischer Versorgung. Sie erhalten dadurch einen Krankenversicherungsschutz.
Benötigen Sie medizinische Hilfe, können Sie sich an Ihre Kommune wenden. Dort erhalten Sie einen sogenannten Behandlungsschein, mit dem Sie einen Vertragsarzt aufsuchen und sich dort behandeln lassen können. In Notfällen ist eine Behandlung auch ohne einen solchen Schein möglich. Dann müssen Sie nur angeben, an welchem Aufenthaltsort Sie gemeldet sind oder in welcher örtlichen Einrichtung Sie untergebracht sind.

In einigen Bundesländern gibt es Vereinbarungen zwischen Land und Krankenkassen. Dann können auch die Krankenkassen Behandlungsscheine ausstellen. Solche Vereinbarungen gibt es aktuell in 9 Bundesländern:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Hamburg
  • Niedersachsen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Schleswig-Holstein
  • Thüringen

Manche Kliniken in Deutschland behandeln Geflüchtete aus der Ukraine derzeit auch kostenlos.

Bekomme ich in Deutschland finanzielle Unterstützung?

Ja. Die beschlossene EU-Richtlinie ermöglicht Ihnen finanzielle Unterstützung. Zuständig für die Gewährung ist in der Regel das Sozialamt. Als Nachweis Ihrer Registrierung wird Ihnen in der Regel ein sogenannter Ankunftsnachweis ausgestellt, mit dem Sie sich an das Sozialamt vor Ort wenden können.

In den ersten 18 Monaten erhalten Sie sogenannte Grundleistungen für den notwendigen Bedarf (zum Beispiel Nahrungsmittel) und persönlichen Bedarf (zum Beispiel Freizeitaktivitäten). In Erstaufnahmeeinrichtungen wird der notwendige Bedarf in der Regel durch ein kleines Taschengeld und vor allem durch Sachleistungen gedeckt. Sie erhalten also Lebensmittel, Kleidung und sonstige notwendigen Dinge direkt vor Ort. 

Spätestens wenn Sie einer Kommune zugewiesen sind, können Sie auch Geld erhalten. Für eine alleinstehende Person sind das höchstens 364 Euro pro Monat, Kosten für beispielsweise Wohnung und Möbel nicht eingerechnet.

Darf ich in Deutschland arbeiten?

Ja. Durch die Massenzustrom-Richtlinie erhalten Sie eine Arbeitserlaubnis in Deutschland. Diese gilt solange, wie Sie den besonderen Schutzstatus innehaben. Allerdings muss die Ausländerbehörde zuerst zustimmen. In der Regel wird die Erlaubnis direkt erteilt, sobald Sie einen Aufenthaltstitel bekommen. Das gilt auch, wenn Sie noch keine Arbeitsstelle in Aussicht haben.

Für die Zeit, in der Sie auf den Aufenthaltstitel warten, können Sie häufig eine sogenannte „Fiktionsbescheinigung“ bekommen. Auch darin wird eingetragen, dass Sie in Deutschland arbeiten dürfen.

Können geflüchtete Kinder in Deutschland zur Schule gehen?

Ja. Auch hier greift die Massenzustrom-Richtlinie. Die Bundesländer planen zum Teil sogenannte „Willkommensklassen“ und Unterricht in ukrainischer Sprache für geflüchtete Kinder. Die Kultusministerien der Länder sind in der Regel zuständig für die Aufnahme geflüchteter Kinder in die Schulen. Die Regelungen können je nach Bundesland variieren.
Die meisten Kultusministerien bieten auf Ihren Webseiten Informationen für Geflüchtete und teilweise sogar eigene Hotlines an.

Die Koordination vor Ort übernehmen häufig die Landkreise und Gemeinden. In der Regel können Sie sich dort melden, wenn Sie Ihr Kind zur Schule schicken möchten.

Wie kann ich Kontakt mit meiner Familie halten?

Viele Telefonanbieter haben Telefonate und SMS in die Ukraine kostenlos gemacht. Ihnen entstehen also keine Kosten, auch die Roaming-Gebühren fallen weg.

Bin ich versichert, wenn ich mit meinem ukrainischen Auto einen Unfall habe?

Ja. Bis zum 31. Mai 2022 übernehmen die deutschen KFZ-Haftpflicht-Versicherer Schäden gegenüber Dritten, die durch unversicherte, ukrainische Autos entstanden sind. Die Organisation übernimmt der „Deutsches Büro Grüne Karte e.V.“. Dort können Sie zum Beispiel auch einen Unfall melden.

Wie hoch die versicherte Summe ist, hängt vom Schaden ab. Bei Personenschäden werden bis zu 7,5 Millionen Euro übernommen, bei Sachschäden 1,22 Millionen Euro und bei Vermögensschäden (wenn es um Geldverluste durch die Unfallfolgen geht, zum Beispiel bei Verdienstausfällen) 50.000 Euro.

Ich habe keine ukrainische Staatsangehörigkeit, lebe aber in der Ukraine: Darf ich trotzdem nach Deutschland einreisen?

Ja. Wenn Sie sich vor dem oder am 24. Februar 2022 in der Ukraine aufgehalten haben, dürfen Sie derzeit auch ohne ukrainische Staatsangehörigkeit visumfrei nach Deutschland einreisen. Die Regelung gilt zunächst bis zum 23. Mai 2022. Durch die Sonderregelung bekommen Sie länger Zeit, um einen Aufenthaltstitel zu beantragen, mit welchem Sie dann 2 Jahre lang vorübergehenden Schutz erhalten.

Sie haben sich am 24. Februar 2022 nicht in der Ukraine aufgehalten, obwohl Sie mit einem Aufenthaltstitel in der Ukraine leben und Ihre Familienangehörigen ukrainische Staatsangehörige sind? In diesem Fall wenden Sie sich bitte an die Visastelle in Kiew – am besten über das Kontaktformular.

Erreichen Sie bei der Visastelle in Kiew niemanden, können Sie sich alternativ auch an die Auslandsvertretungen in den Nachbarländern wenden. Eine Liste mit Adressen und Kontakten der Auslandsvertretungen finden Sie hier.

Wie lange darf ich mich in Deutschland aufhalten, wenn ich ohne ukrainische Staatsangehörigkeit aus der Ukraine geflohen bin?

Auch wenn Sie keine ukrainische Staatsangehörigkeit haben, können Sie bis zum 23. Mai 2022 einen Aufenthaltstitel in Deutschland beantragen. Der vorübergehende Schutz gilt zunächst für 2 Jahre. Voraussetzung für den Aufenthaltstitel ist, dass Sie vor dem 24. Februar 2022…

  • entweder internationalen Schutz oder einen gleichwertigen nationalen Schutz in der Ukraine genossen haben
  • oder sich rechtmäßig in der Ukraine aufgehalten haben (ein vorübergehender Kurzaufenthalt zählt nicht!) und nun nicht mehr sicher und dauerhaft in ihr Herkunftsland zurückkehren können.

Weitere Informationen auf Ukrainisch finden Sie hier.

Was brauche ich, um als Drittstaatenangehöriger eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu beantragen?

Ihren Aufenthaltstitel beantragen Sie bei der zuständigen Ausländerbehörde direkt vor Ort. Für den Antrag sollten Sie folgende Angaben bereithalten:

  • Vollständiger Name und Geburtsdatum
  • Kopie eines Ausweisdokuments
  • Anzahl der mitreisenden Familienmitglieder
  • Adresse Ihrer aktuellen Unterkunft in Deutschland
  • Telefonnummer und E-Mail-Adresse

Die Ausländerbehörde wird dann in einem individuellen Verfahren prüfen, ob Sie in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis erhalten oder ob Sie sicher und dauerhaft in Ihr Heimatland zurückkehren können. Dabei wird unter anderem geprüft, wie lange Sie und Ihre Familie sich in der Ukraine aufgehalten haben und wie die aktuelle Lage in Ihrem Herkunftsstaat ist.

Kann ich auch ohne ukrainische Staatsangehörigkeit meine Familie nach Deutschland holen?

Ja – solange Sie Ihren Wohnsitz in der Ukraine haben. Ein Visum zur Familienzusammenführung für Deutschland können Sie bei den Auslandsvertretungen in den Nachbarstaaten der Ukraine beantragen.

Bekomme ich in Deutschland auch ohne ukrainische Staatsangehörigkeit Unterstützung?

Ja. Die EU-Massenzustrom-Richtlinie gilt auch für nicht-ukrainische Flüchtlinge. Sie erhalten vor Ort eine Grundversorgung (Lebensmittel, Kleidung und sonstige notwendigen Dinge) und haben auch Anspruch auf finanzielle Unterstützung. Wenn Sie die Ihnen zustehenden Hilfen in Anspruch nehmen möchten, müssen Sie sich in Deutschland registrieren lassen – in der Regel beim zuständigen Ankunftszentrum. Mehr dazu lesen Sie im oberen Teil des FAQs bei den „Fragen und Antworten für Geflüchtete“.


Weiterführende Links mit offiziellen Informationen und Anlaufstellen